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        Die Apfelwein-Trinkkultur


Apfelwein-Trinkkultur


Ein edler Schmuck in unsrem Land,

der Apfelbaum im Blütenstand.

Ein Meisterwerk, der Schöpfung Zierde,

der Baum in Schönheit, Stolz und Würde.


Und strahlt im Herbst in voller Pracht,

der Früchte Segen schwere Tracht,

erwacht die Kelter aus dem Traum,

den sie geträumt im Abstellraum.


Der Landmann nimmt mit Korb und Leiter

den Weg zum Baumstück, froh und heiter.

Im Verspertuch Käs, Wurst und Brot

und Apfelwein für Durst und Not.


Beim Apfelwein, das muss man wissen,

kommt bald der "Rauscher" nach dem "Süßen".

Der bringt, was keine Pille schafft,

gesunde, volle Durchschlagskraft.


Zur Winterzeit, um Fassenacht,

erreicht er seine edle Pracht.

Im Hessenland es jeder kennt,

man liebevoll ihn "Stöffche" nennt.


Kredenzt wird er im Rautenglas,

sonst macht's dem Zecher keinen Spaß.

Vor Freude er fast Tränen weint,

wenn das gerippte Glas erscheint.


Und letztlich heißt es nicht umsunst,

"das Stöffchetrinke ist `ne Kunst!".

Du kannst nach Tages Müh' und Stöhnen,

der holden Kunst inbrünstig fröhnen.


Erwartungsvoll zur Theke hin,

zieht Dich die beste Medizin,

leerst das "Gerippte" in die Kehle,

spürst, das ist Balsam für die Seele.


Das erst "Gerippte" schmeckt noch sauer,

doch nach nicht allzulanger Dauer

getraust Du Dich den letzte Troppe

zu trinke von dem erste Schoppe.


Du blickst andächtig auf den Zweiten

und magst ihn schon ein wenig leiden;

wirst Dich mit Schlückchen und mit schlürfen,

mit dem Geschmack versöhnen dürfen.


Das Dritte macht Dich jetzt schon munter,

Dein trautes Angesicht wird bunter;

bei jedem Schluck, das merkst Du ständig,

Dein Geist wird mehr und mehr lebendig.


Gott Bacchus's bester von den Wirten,

füllt aus den Bembel Dir den Vierten.

Dabei, just hätt' ich's fast vergessen,

da musst Du unbedingt was essen.


Hast nun den Fünften vor Dir stehen,

kommst Du auf herrlichste Ideen,

Erleuchtung kommt Dir jetzt im Leben,

Du willst je nun nach Höh'rem streben.


Nennst alle Menschen Deine Nächsten,

dieweil der Wirt Dir bringt den Sechsten.

Mit dem Du spinnefeind seit Zeiten,

sprichst Du "per Du" und kannst ihn leiden.


Der siebte Schoppe, der ist kritisch,

der macht die Menschen leicht politisch,

bringt leicht Krambuhl mit Unbedachten,

drum trink ihn schnell und nimm den Achten.


Ein Stöffchetrinker weiß, zum Glück

gehört ein Handkäs mit Musik,

das reizt den Gaumen, stärkt den Magen

und wieder kann man was vertragen.


Das wär dann ergo schon der Neunte,

im weiten Rund gibt's nur noch Freunde;

das Glas und das Gehirn werd'n leerer;

die Zunge, Kopf und Bein werd'n schwerer.


Es folgt der Zehnte und der Elfte,

vom Zwölften schaffts Du nur die Hälfte.

Dann hat der Rausch Dich voll im Zaum,

Du sinkst dahin und merkst es kaum.


Beim Äppelwein, das muss man wisse,

dort wo die Grenz halt is, da iss se;

man darf den Karr'n nicht überladen,

ein Tröpfchen mehr, das kann schon schaden!


Jed'm Oberhess' sei eingedenk,

's is unser Nationalgetränk!

"Prost Bruder, hol den Bembel bei,

freu Dich mit mir beim Äppelwoi!"



Steinbach, Oktober 1984, K.F. Haas